Nördlich, SĂŒdlich, Zentral

Die Kerala Kalarippayat Academy (KKA) ist eine Institution, die sich die Entwicklung, Verbreitung sowie die Werbung fĂŒr diese Kampf- und Heilkunst zur Aufgabe gemacht hat. Sie befindet sich in der Stadt Kannur im sĂŒdinidischen Bundesstaat Kerala.
PrimĂ€r geht es fĂŒr SchĂŒler aus dem Westen um das Studium der Heil- und Kampfkunst.
In der KKA werden alle drei Haupt-Stile des Kalarippayat unterrichtet. Der Grund hierfĂŒr ist zum einen, die Bandbreite dieser Kampfkunst aufzuzeigen, und zum anderen, um ein besseres VerstĂ€ndnis zu fördern. Außerdem ergĂ€nzen sich die Stile, sodass nahezu alle Aspekte einer vollkommenen Kampfkunst darin enthalten sind.

Die 3 Stile:

Speer

Speer

Vadakkan Sampradayam, der nördliche Stil: „Traditional combat-oriented Martial Art“ ist eine kampforientierte Waffenkunst, die auf den Schlachtfeldern Indiens zum Einsatz kam. War keine Waffe mehr zur Hand, wurde „empty hand“ gekĂ€mpft. Der Stil basiert auf groben Ganzkörperbewegungen, die in Sequenzen oder Abfolgen auf sinnvolle Weise miteinander verbunden sind und dabei die grĂ¶ĂŸtmöglichste Bewegungsamplitude abdecken. Diese ausgewĂ€hlten Bewegungen können auch bei einem Puls von ĂŒber 145 bpm, unter Stress reproduziert werden. Die tiefen Stellungen sind charakteristisch. Durch die fließende Aneinanderreihung der Elemente ist dieser Stil sehr einprĂ€gsam und gelangt so schnell auf die intuitive Ebene.

Tekkan Sampradayam, auch Adi Mura oder Ati Murai genannt, ist der sĂŒdliche Stil: „Stand up open hand self-defense Martial Art“. Tekkan ist ein reiner Selbstverteidigungsstil, waffenlos wie auch gegen Waffen, wofĂŒr mit Waffen trainiert wird. Konsequent wird die Verteidigung oder der Angriff gegen mehrere Gegner in Betracht gezogen, wofĂŒr Formen mit schnellen Richtungswechseln in alle vier Himmelsrichtungen trainiert werden. Der Kampf mit offenen HĂ€nden ist ein Hauptmerkmal dieses Stils. Das Vorgehen ist wissenschaftlich und geschieht hauptsĂ€chlich auf der Verstandesebene.

Hanuman-Keulen

Hanuman-Keulen

 

 

 

 

 

 

Madhya Sampradayam, der zentrale Stil, ist wie Tekkan eine Selbstverteidigungs-kampfkunst: „Stand-up self-defense Martial Art“. Jedoch mit wesentlich mehr Fokus auf das Ausweichen und Ausnutzen des Kraftmoments aus spiralförmigen Bewegungsmustern. Kampfvermeidung steht an erster Stelle, darauf folgt, die Kraft des Gegners auszunutzen. Der Stil basiert auf einem Baukastensystem mit sehr ausgefeilter Fußarbeit und allen Arten von Arm- und Beintechniken. Eine unendliche Zahl an Kampfkombinationen ist möglich, die je nach Aufgabenstellung erarbeitet werden können, Voraussetzung ist eine rege Vorstellungskraft.

Alle drei Stile sprechen mehr oder weniger die Ebene des Instinkts an und fördern die SpontanitĂ€t. Durch verschiedene QualitĂ€ten aus dem Tierreich inspiriert, die in den Stellungen enthalten sind, wird eine kĂ€mpferische Geisteshaltung kreiert, welche oft mit „animal spirit“ beschrieben wird. Dies ist nichts PhĂ€nomenales oder ÜbernatĂŒrliches, sondern die Wirkweise der Stellungen in Verbindung mit Fokus und Bewegung.
Außerdem basieren alle drei Stile auf dem Wissen ĂŒber das Marma/Nadi-System, welches ihnen erst die volle Wirksamkeit verleiht.